Jana Voll

„Meine Mutter ist sozusagen eine Elster, das heißt, sie mag gerne schönen Schmuck, alles was glitzert und glänzt. Mein Vater hat ihr auch immer schon gerne Schmuck geschenkt, daher habe ich persönlich gute Vorbilder gehabt. Ich habe in der 9. Klasse schon mein erstes Praktikum bei einem Goldschmied gemacht und war völlig fasziniert.

Der war ursprünglich Holzfäller und hatte kräftige Hände, mit denen er gut schmieden konnte. Er hat gesagt, das ist etwas für dich, du hast Talent. Ich habe aber erst mal Abitur gemacht. Danach habe ich eine Ausbildungsstelle zur Goldschmiedin in Idar-Oberstein gefunden – und war ganz glücklich. Ich bin dorthin gegangen, da Idar-Oberstein die Hochburg der Edelsteine in Deutschland war. Ich war freiheitssuchend, wollte weg aus der Wetterau, wo ich ursprünglich herkomme. Mit meinem Ausbildungsmeister hatte ich Glück, denn er hat seine Lehrlinge nicht verbogen, sondern hat ihre Stärken gefördert. Nach der Ausbildung hatte ich noch dazu das Glück Begabtenförderung zu bekommen. Dann habe ich auch bei anderen Goldschmieden gearbeitet, um in der Gesellenzeit viele Erfahrungen zu sammeln.

Endlich konnte ich meinen Traum umsetzen: Ich bin nach Italien gegangen, um als Goldschmiedin zu arbeiten. Weil die handwerkliche Tradition dort nicht so ist wie bei uns, habe ich als Schmuckdesignerin gearbeitet und das Entwerfen gelernt. Hingezogen haben mich die schöne Sprache, das gute Essen und die italienische Art gerade der stilvollen italienischen Frauen, die ich oft bewundert habe. Ich wollte ergründen, woran das liegt. Es ist einfach eine andere Mentalität, die Frauen sind sehr eitel und achten auf sich. Die Lebensweise Dinge einfach geschehen zu lassen. Diese Erkenntnis war für mich persönlich und meine Designprozesse neu gewesen und ich versuche es heute noch beizubehalten.“

„Da gibt es verschiedenen Herangehensweisen. Ganz oft ist es bei mir so, dass ich einen schönen Edelstein sehe oder eine schöne Perle und dann möchte ich gerne für diesen Stein das schönst mögliche Schmuckstück machen, damit er getragen werden kann. Manchmal ist es auch anders herum, dann habe ich eine Idee oder ein Thema zu dem ich arbeiten will. Das ist oft bei Eheringen, dann nehme ich mir ein Motto, z. B. „Mit Dir möchte ich durch die Höhen und Tiefen des Lebens gehen“ oder „Du machst mich komplett“.

Zu diesen Themen entwickele ich dann ein paar Ringe. Was mich auch inspiriert ist Kunst. Ich liebe das Museum in Wiesbaden. Das ist ein ganz tolles Museum, das vereint Kunst und naturhistorische Sammlungen. Diese Kombi finde ich gut. Das Natürliche und die Kunst passen gut zu Schmuck. Manchmal lasse ich mich auch von Produkten anderer inspirieren. Da gibt es z. B. auch Spitze, die ich in Metall einwalze und so die Struktur bewahre. Bei uns ist es so, dass sich hinter jedem Schmuckstück auch eine Geschichte verbirgt.

Jede Form hat auch einen Grund. Z. B. die Mutterherzanhänger. Hier habe ich die Geschichte von einer Geburtsstation im Kongo gehört, wo die Frauen nicht in geborgener Umgebung ihre Kinder bekommen können. Ich wollte das unterstützen. Das Oberteil erinnert an einen Mutterbauch. Es freut mich, wenn Schmuckstücke raus gehen, ihre Trägerin glücklich und selbstbewusst machen, das finde ich gut.“

(Anmerk. der Redaktion: Dieses Interview wurde im Vorgängerprojekt im Rahmen von PROF³I durchgeführt und ist auf der Facebook-Gruppen-Seite von ZAQ in 2017 veröffentlicht worden.
Fotorechte liegen bei PROF³I.)

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