Iris Leisenheimer

Als Kind wollte ich immer Kindergärtnerin werden, das war mein Traum, aber den habe ich nie verwirklicht. Ich habe ein einschlagendes Erlebnis. Als ich sieben Jahre alt war, ist mein Vater durch einen Unfall mit dem Traktor im Sägewerk verstorben.

Ich war sieben, meine Schwester fünf und meine andere Schwester zehn. Das Gute war, dass meine Mutter dadurch eine sehr gute Witwenrente bekommen hat. Meine Mutter war Hausfrau, hatte genug Geld, musste nicht arbeiten und war für uns drei immer da. Ihr war ganz wichtig, dass wir alle eine gute Ausbildung machen.
Ich habe dann studiert, weil ich Halbweisenrente bekommen habe und habe gesagt, ich nutze die bis ich 25 bin aus und studiere.

Meine Mutter hat uns auch dahin gefördert. Ich habe erst nur Realschulabschluss, habe dann die 11. Klasse nachgeholt, hab die höhere Hauswirtschaftsschule besucht, bin Hauswirtschaftsassistentin und Hauswirtschafterin, habe dann das Fachabi nachgeholt und bin zum Studium. Erst wollte ich Elektrotechnik studieren, habe mich nach einem Praktikum umentschieden und eine Alternative zu Technik gesucht und dann in Trier Ernährungs- und Haushaltstechnik studiert. Ich habe alles gepackt, um dann beruflich durchzustarten. Mein Vater wollte eigentlich Maschinenbau studieren, das hat er nicht gemacht, da seine Brüder im Krieg gefallen sind, musste er ins Sägewerk. Vielleicht habe ich so ein bisschen den Ansporn, das, was mein Vater nicht geschafft hat, umzusetzen.

Meinen Mann kenn ich schon sehr lange. Mir war nicht bewusst, dass ich in den Betrieb einsteige. Ich habe ein bisschen das Unternehmertum von meinem Vater und mir liegen Unternehmensführung und Mitarbeiterführen am Herzen. Mittlerweile sind wir in Windesheim das größte Unternehmen.

Die Anerkennung als Frau im Betrieb des Mannes war ein Punkt, um den ich sehr gekämpft habe in den letzten 16 Jahren. Ich bin nicht nur die Tippse meines Mannes, sondern ich bin die Frau des Handwerkermeisters, ich mache die Termine und organisiere alles.

Da muss man sehr viel Durchsetzungsvermögen haben, aber das klappt jetzt ganz gut. Ich denke, die Haltung ist sehr wichtig. Und auch wie ich mich passend anziehe.

Ich habe schon zwei Mal Farb- und Stilberatung gemacht, denn eigentlich habe ich keinen Sinn für Farben – das kommt noch hinzu. Ich tue mich unheimlich schwer zu sehen, ob es farblich zueinander passt. Ich habe mich oft schon angezogen und dann sagten meine Töchter:

‘Nee Mama, geht gar nicht – zieh Dich wieder um!’ – und das als Malerfrau!! Aber ich habe mich jetzt ganz gut arrangiert.

Iris Leisenheimer: http://www.leisenheimer.com/

(Anmerk. der Redaktion: Dieses Interview wurde im Vorgängerprojekt im Rahmen von PROF³I durchgeführt und ist auf der Facebook-Gruppen-Seite von ZAQ in 2017 veröffentlicht worden.
Fotorechte liegen bei PROF³I.)

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