Claudia Lonser

Ich bin über Umwege Steuerberater geworden. Bei mir ist das Besondere, dass ich aus der ehemaligen DDR stamme. Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und bin die jüngste. Meine Mutter war Musikerin am Theater in Brandenburg und manchmal wochenlang weg, weil wir wiederum in Berlin gewohnt haben. Mein Vater war Diplom-Chemiker und hat tagsüber gearbeitet. Das heißt, ich musste als Kind schon immer sehr selbstständig sein.

Ich wusste nie, was ich werden will. Nach der Schule, polytechnische Oberschule hieß das damals bei uns, hab ich Angebote zur Ausbildung bekommen. Ich hatte zwar einen guten Notendurchschnitt, da waren aber keine Kracher dabei. Der Witz ist, wir haben in Berlin in einem alten Herrenhaus gewohnt, in dem es auch eine Hausverwaltung gab. Und dann wurde in Marzahn eine Hausverwaltung neu gebaut, und die haben Leute gesucht. Das hat mir dann ganz gut gefallen. Insgesamt war ich dort zehn Jahre in der Hausverwaltung tätig und machte nebenbei ein Fernstudium, das nannte sich Ingenieur-Ökonom für Bauwesen. Da hatte ich auch schon meine Tochter.

Dann kam die Wende. Da steht man vor einem Scheideweg, und du musst wissen, was du machst. Für den Abschluss meines Fernstudiums brauchte ich noch ein Jahr. Doch war dieses Studium dann sinnlos geworden. Im Bauwesen wollte ich nicht arbeiten, und die ökonomischen Inhalte waren bis dahin hauptsächlich „politische Ökonomie des Sozialismus“ Meine Lehre als Bürokauffrau wurde dann im Westen auch nicht anerkannt.
Da ich nach immer neuen Herausforderungen suche, bin ich nach Wiesbaden gezogen, weil meine Oma dort noch gewohnt hat. Ich fand in Wiesbaden eine Anstellung wieder in einer Hausverwaltung (mein Kerngebiet), lernte meinen neuen Partner kennen und zog nach Mainz. Ich wechselte meine Arbeitsstelle und begann nebenbei selbständig als Hausverwalterin aktiv zu sein. Dann kam ich in engeren Kontakt mit einem Bilanzbuchhalter, dessen Arbeit mich gereizt hat dazuzulernen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, so dass ich neben Job, Nebengewerbe, Haushalt, Kinder und damaligem Ehemann mich drei Jahre berufsbegleitend auf die Bilanzbuchhaltungsprüfung vorbereitet habe. Die Prüfung habe ich dann 2003 erfolgreich abgeschlossen.

Ab 2000 wechselte ich in ein Steuerbüro, und die Arbeit dort fand ich am Spannendsten. In der praktischen Umsetzung hatte ich viele Aha-Momente. Ich wusste nun, Steuerberater ist für mich ist das Beste. So habe ich ab 2010 meine Urlaubstage, Überstunden geopfert und die Ausbildung zum Steuerberater mit eigenen Mitteln finanziert. Ich war sehr stolz, vor meinem 50. Geburtstag es geschafft zu haben: Mit 49 wurde ich zum Steuerberater bestellt. In dem Alter schaffen es nur ganz wenige und die Durchfallquote liegt schon so bei 50%. Da ich sowieso gerne selbständig arbeite, hab ich meine Kanzlei aufgebaut und in der Übergangszeit freiberuflich beim früheren Arbeitgeber gearbeitet. Das war für mich eine tolle Möglichkeit.

Wie ich zum Hund gekommen bin? Den hab ich mir zum 40. Geburtstag geleistet. Ich bin mit einem Hund groß geworden. Eines Tages merkte ich, dass sich mein Leben nur zu Hause und im Büro abspielt. Ich wollte jemanden, mit dem ich täglich rausgehen und spazieren gehen kann. Und mit einem Hund musst du einfach raus. Ich weiß, welche Verantwortung dranhängt, wenn man einen Hund hat.

Und dann habe ich mich bewusst für einen entschieden. Ein kleiner sollte es sein, es wurde ein schottischer Jagdhund, ein Kernterrier, die Susi. Sie konnte ich sogar damals ins kleine Büro mitnehmen. Vorletztes Jahr musste ich Susi leider beerdigen. Eine Zeit lang war ich ohne Hund. Dann waren es plötzlich zwei: Ella und Spiky. Ella habe ich als Welpe über einen Tierschutzverein aus Spanien gerettet.

Sie ist eine Fundhündin und die habe ich bekommen, als sie etwa fünf Monate alt war. Ich fand sie auf Anhieb süß. Spiky wiederum habe ich von einer Familie aus Berlin im November 2016 bekommen.
Die hatte für ihn nicht mehr richtig Zeit, da hab ich ihn mitgenommen. Er und Ella verstanden sich auch auf Anhieb. Meine Hunde geben mir eine gewisse Struktur, denn sie zwingen mich auch mal vor die Tür zu gehen und von dem Beruflichen abzuschalten. Auf einem Gesundheitsmanagementseminar bei ZAQ hatte ich auch gelernt, dass man mehr Kraft hat, wenn man zwischendurch vom Beruflichen Abstand nehmen kann. Deshalb laufe ich mit ihnen in die Felder, kann von dort bis in den Taunus schauen, auch wenn es nur für eine halbe Stunde ist. Etwa vier Mal täglich gehe ich mit den beiden hinaus.

Sie geben mir sehr viel neue Energie und Freude.Die beiden verstehen sich sehr gut und beschäftigen sich gemeinsam, liegen sogar manchmal zusammen im Körbchen. So hat Ella einen Gefährten bekommen und Spiky die Liebe und Anbindung, die ihm damals in Berlin gefehlt hat.

Die Netzwerke sind für mich ein wichtiges Feld. Einmal um neue Mandanten zu akquirieren. Denn wo bekommt man sie her? Hauptsächlich entweder durch Empfehlungen von Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben oder Neugründer, die in die Situation kommen, dass sie einen Steuerberater brauchen.

Und wenn ich zum Beispiel bei Euch auf ZAQ-Veranstaltungen bin, da bekomme ich immer etwas Neues mit, man weiß ja nie, wann man es brauchen kann. Man kann selbst auch selbst kleine Tipps geben an die anderen Teilnehmer – und dazu in einer angenehmen, familiären Atmosphäre, man unterhält sich, es fühlt sich wie Freizeit an, obwohl es fachlich ist. Man nimmt unheimlich viel mit. Dieses Jahr waren auch tolle Themen dabei.

Ich bin ja auch in anderen Netzwerken unterwegs. Und da merke ich, dass Leute lieber auf jemanden zugehen, mit denen sie sich im persönlichen Kontakt befinden. Es geht für mich nicht darum nur Mandanten zu finden, an den Veranstaltungen lernt man viel, kommt in Kontakt mit interessanten Menschen oder manchmal kann ich auch Empfehlungen geben, wer z.B. ein passender Ansprechpartner wäre oder in angrenzenden Bereichen ein Experte ist.

Die persönlichen Connections, Erfahrungswerte mit anderen werden ja auch gefragt. Das finde ich toll, wenn man über den eigenen Tellerrand schauen kann und selbst aktiv in den anderen Fachgebieten weiter empfehlen kann.

(Anmerk. der Redaktion: Dieses Interview wurde im Vorgängerprojekt im Rahmen von PROF³I durchgeführt und ist auf der Facebook-Gruppen-Seite von ZAQ in 2017 veröffentlicht worden.
Fotorechte liegen bei PROF³I.)

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