Karina Herrera Rosas

“Ich bin seit 2014 in Deutschland und habe zwei kleine Kinder, die vier und sieben Jahre alt sind. In Mexiko hatte ich Jura studiert und an einem Bundesgericht in Veracruz gearbeitet. Dort konnte ich in allen Fachrichtungen arbeiten. Hier kann ich aufgrund meiner derzeitigen Sprachkenntnisse noch nicht in dem Bereich arbeiten. Es stellte sich für mich die Frage „Was mache ich im Integrationsprozess, da das Erlernen der deutschen Sprache nicht so einfach ist?“ – Ich habe mir überlegt, was die zweite Sache ist, die mir gefällt und die ich hier gebrauchen kann. Es ist meine mexikanische Kultur und das Essen. In Mexiko ist Essen sehr wichtig und ein großer kultureller Teil. So habe ich 2015 Mundo Mexicano gegründet.

Als ich ein Kind war, wollte ich Künstlerin bzw. Malerin werden. Dann wollte ich Journalistin werden – mir hat das Radio gefallen und ein bisschen Schreiben. Jetzt schreibe ich auf Spanisch für eine spanische Zeitschrift Artikel über mein Leben in Deutschland und die Sachen, die die Menschen in Mexiko nicht nachvollziehen können. Zum Beispiel, dass es hier im Winter unter 5 Grad Celsius sind und die Menschen sagen „es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. In meiner Stadt in Mexiko wird es nicht unter 18 Grad und es gibt höchstens mal Gewitter. Ich schreibe auch über den Karneval, das Essen, darüber, dass ich hier nicht alles bekomme oder wie teuer in Deutschland Bananen sind. Auch Kindergeburtstage sind hier ganz anders. Dass ein Kind mit vier Jahren alleine auf einen Geburtstag geht, geht in Mexiko nicht. Bei uns kommen immer alle Leute: Familie, Geschwister und Eltern und man schickt nicht sein Kind alleine.”

“In der Schule war ich immer sensibel, bei Ungerechtigkeiten. Auch wenn ich keine Klassensprecherin war, habe ich bei Problemen anderer Schüler es immer angesprochen. Ein Schlüsselerlebnis war eine Gruppenarbeit in Geschichte in der Schule zur Unabhängigkeit. Hier habe ich die Gruppenleitung übernommen. Dann habe ich gemerkt, dass mir das besser gefällt als Journalistin.

Ich habe immer bei meinen Großeltern gewohnt. Das war ein anderes Leben als das was meine Freundinnen hatten. Kochen habe ich von meiner Oma und Mutter gelernt. Meine Motivation heute ist, meinen Kindern meine Kultur weiterzugeben. Mein ältester Sohn kennt die Zutaten aus Mexiko wie zum Beispiel unterschiedliche Chilis. Mein ältester Sohn will auch gerne helfen und erklärt beispielsweise auf interkulturellen Festen mit sieben Jahren anderen schon die Speisen. Ich mag auch mexikanische Musik und Tanz. Wegen der Kinder kann ich zurzeit noch nicht voll arbeiten, aber meine Idee ist die Kultur und original mexikanisches Essen zu verbreiten und nicht nur Burritos oder Chilli con Carne. In meinem aktuellen Projekt vermittle ich gemeinsam mit anderen im Rahmen einer Koch-AG in unterschiedlichen Schulen den Kindern die mexikanische Küche, Kultur und Sprache.

Mein Traum ist, dass es mit der deutschen Sprache weitergeht und ich meine juristischen Kenntnisse hier anwenden kann, zum Beispiel in der Verwaltung. Ich könnte hier auch ein Masterstudium machen aber als Rechtsanwältin bekomme ich keine Anerkennung. Schreiben ist auch schwierig, vor allem wo das Juristendeutsch so schwer ist.”

Karina Herrera Rosas: http://www.mundomexicano.de/

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